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Ausgezeichete Elche:
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1997 Chlodwig Poth
1999 Robert Gernhardt
2000 Gerhard Polt
2001 Harry Rowohlt
2002 Marie Marcks
2003 F.W. Bernstein
2004 Emil Steinberger
2005 Otto Waalkes
2006 Hans Traxler
2007 Ernst Kahl
2008 Biermösl Blosn
2009 Helge Schneider
2010 Olli Dittrich
2011 Josef Hader
2012 Franziska Becker
2013 Michael Sowa
2014 Georg Schramm
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© Lukas Beck

Vita

Ein Ministrant wird Kabarettist

Josef Hader kommt am 14. Februar 1962 in Waldhausen (Oberösterreich) in einer Bauernfamilie zur Welt und wird 1968 in Nöchling (Niederösterreich) eingeschult. Die blauen Briefe, die die Lehrer schreiben, lenkt der kleine Josef an seine Großmutter um, die die Unterschrift der Eltern fälscht.

1972 wechselt Josef Hader an das Stiftsgymnasium im bischöflichen Knabenseminar des Klosterinternats Melk an der Donau. Der katholischen Kirche bleibt er, der bereits als Volksschüler Ministrant war, lange Zeit in Hassliebe verbunden: Er verehrt den Reformpapst Johannes XXIII. und ist vom Linkskatholizismus der 70er Jahre geprägt; die konservative Rückwärtsentwicklung der Kirche unter Johannes Paul II. lehnt er ab und tritt schließlich aus, "weil Fehltritte der Kirche derzeit so konsequent passieren, dass sie sich ständig ins neunzehnte Jahrhundert zurückversetzt."

Am Stiftsgymnasium entdeckt Hader seine Bühnenbegabung: Er spielt im Schultheater mit und verdient sich das Geld für die Abschlussfahrt in der Oberprima mit Kabarett-Nummern über die Lehrer. Nichtsdestoweniger will er anfangs selber Lehrer werden und beginnt, nach der Matura 1980 und dem Zivildienst beim Roten Kreuz, 1982 in Wien Deutsch und Geschichte zu studieren. Den elterlichen Hof übernimmt sein jüngerer Bruder.

Während des Lehramtsstudiums verfolgt Hader seine künstlerischen Ziele weiter, bringt noch im selben Jahr 1982 sein erstes Programm "Fort geschritten" in Melk, Amstetten und Wieselburg auf die Kleinkunstbühnen und führt es in der Wiener Fußgängerzone auf. 1985 präsentiert er sein zweites Programm "Der Witzableiter und das Feuer", das mit dem renommierten "Salzburger Stier" ausgezeichnet wird, und lässt das Studium sausen. Ein Jahr darauf hat sein Programm "Im milden Westen" Premiere, in dem er erstmals auch für die Musik allein verantwortlich zeichnet. Vor allem aber nimmt er, wie es im Kabarett sonst der Fall ist, nicht mehr nur die aktuelle Politik aufs Korn, sondern schiebt allgemein gesellschaftskritische und die conditio humana beleuchtende Monologe ein.

Dieser Wandel setzt sich in "Tausche Witze gegen Geld" (1987) fort, in dem Hader nicht nur tagespolitische Nummern zum Besten gibt, sondern auch selbstkritische Töne anschlägt und sich spielerisch über das Publikum mokiert, das bloß auf Selbstbestätigung, auf billige Lacher aus ist. (In seinem späteren Programm "Privat" lässt sich Hader sogar für einzelne Witze von Zuschauern bezahlen.) Statt die Zuschauer reflexhaft lachen zu machen, möchte Hader Zweifel an den Gewissheiten säen - eine philosophische Haltung, die er einst bei seinem hochverehrten Altgriechischlehrer auf dem Gymnasium lernte.

Mehr als nur Kabarett

Mit "Biagn oder Brechn" (1988) und "Bunter Abend" (1990) kehrt sich Hader endgültig vom politischen Nummernkabarett ab und macht mit seinem persönlich, vorderhand biografisch geprägten und formal einzigartigen Kabarett, dessen Dramaturgie an ein Theaterstück erinnert, auch außerhalb Österreichs auf sich aufmerksam. Anstelle einer losen Folge von Sketchen steht eine Art Erzählung, die die einzelnen Teile dramaturgisch verbindet.

"Er vernichtet das Kabarett und erfindet es neu", schreibt ein Kritiker in der "Süddeutschen Zeitung" über den "Bunten Abend", für den Hader 1990 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis geehrt wird. Gastauftritte in Dieter Hildebrandts "Scheibenwischer" sorgen zusätzlich dafür, dass Hader in Deutschland mehr und mehr bekannt wird.

Zugleich beginnt er mit der Arbeit für Theater, Film und Fernsehen. 1991 hat das gemeinsam mit Alfred Dorfer verfasste tragikomische Stück "Indien" Premiere; es kommt so gut an, dass es 1993 verfilmt wird und im Lauf der Zeit fast schon den Ruf eines modernen Klassikers des österreichischen Kinos erlangt.

Bereits ein Jahr zuvor, 1992, spielt Josef Hader die Hauptrolle in "Capuccino Melange" und erhält seinen ersten von vielen weiteren Preisen als Schauspieler, den Spezialpreis bei den Baden-Badener Tagen des Fernsehspiels.

Nach einer Nebenrolle in "Geboren in Absurdistan" (1999) spielt Hader, in der Verfilmung von Wolf Haas' makabrem Kriminalroman "Komm, süßer Tod" (2000), erstmals den desillusionierten, in sich gekehrten Exkommissar Simon Brenner, welche Rolle ihm auch in den zwei weiteren Haas-Verfilmungen ("Silentium", 2004, und "Der Knochenmann", 2009) wie angegossen sitzt. Sowohl bei dieser Trilogie als auch bei einigen anderen Filmen arbeitet Hader am Drehbuch mit. Sein Prinzip: "Bei den lustigen Filmen schreibe ich am Drehbuch mit, bei den ernsten und traurigen bin ich nur Schauspieler, kriege aber leichter Preise." Allerdings nimmt er nicht jeden Preis: Als er die Goldene Romy für "Komm, süßer Tod" erhalten soll, verweigert er die Annahme, weil die Auszeichnung nicht der künstlerischen Leistung des Schauspielers gilt, sondern ein bloßer Beliebtheitspreis ist.

Dessen ungeachtet zeugt es von Haders Beliebtheit als Schauspieler, dass er als Haupt- und Nebendarsteller zunehmend gefragt ist. Jeweils sieben weitere Kino- und Fernsehfilme (neben den bereits genannten) sprechen eine klare Sprache. Zuletzt war Hader im TV-Zweiteiler "Aufschneider" zu sehen, in dem er den Chefpathologen Dr. Fuhrmann spielt, der zum Tod naturgemäß ein besonderes Verhältnis hat und mit den meisten Dingen im Leben über Kreuz ist.

Eine besondere Herausforderung war für Hader die Rolle eines Vergewaltigers und Mörders in "Ein halbes Leben" (2009), der, nie gefasst, Jahrzehnte später als Familienvater ein normales Leben zu führen scheint und doch an seiner Schuld verzweifelt - eine Tragödie in zweierlei Hinsicht, in der es Hader gelingt, im Zuschauer Empathie mit dem Unglückseligen zu wecken, ohne seine einstige Untat zu beschönigen.

Hader muss sein

Während der Schauspieler Hader in den Filmen stets ein anderer als er selbst sein muss, wird der Kabarettist auf den Brettern, die die Kleinkunstwelt bedeuten, immer persönlicher. 1994 erfolgt die Uraufführung von "Privat". Der Titel ist Programm: Hader gibt vor, er berichte von seinem eigenen Leben und warte mit biografischen Bekenntnissen auf. Doch zugleich hebt seine Erzählung surreal ab, indem sie ihn bis in die dritte Welt und fast sogar zum Mond führt. In den fünf Jahren bis 1999, in denen Hader damit durch die deutschsprachigen Länder tourt, sehen an die 500.000 Besucher das Stück - die wenigsten, wie er selbst gesteht, in Halle an der Saale: 43.

"Was nun der wirkliche Hader hinter dem Hader ist, der den Hader spielt, das lässt sich nur erahnen", schreibt später einmal der Berliner "Tagesspiegel". Der Satz passt auf "Privat", ist aber auf "Hader spielt Hader" gemünzt, einem erstmals 1997 und seither immer wieder neu zusammengestellten Querschnitt aus seinen vorangegangenen Programmen: ein Dauerbrenner, mit dem Josef Hader, parallel zu seinen aktuellen Stücken, bis heute erfolgreich durch die deutschsprachigen Länder tingelt.

Den bisherigen Höhepunkt seines Schaffens aber markiert Haders 2004 uraufgeführtes Programm "Hader muss weg". Hader spielt darin sieben verschiedene Rollen, darunter, ähnlich wie schon im "Bunten Abend", sich selbst, nur dass er diesmal gleich zweimal umgebracht wird, zuerst gleich zu Anfang nach einer hinter der Bühne losgelassenen Schimpfkanonade wider Gott und die Welt, später auf der Bühne, als er nach einem Unfall von einem bankrotten Tankstellenbesitzer erschossen wird. "Hader muss weg" ist eine Art Krimi, schwarz wie die Nacht, in der das Geschehen spielt, ein abgründiges Porträt verpfuschter Existenzen, ein mörderischer Querschnitt durch die sozialen Schichten des Landes und ein bitterböses Stück, in dem es aber viel zu lachen gibt.

Hader schont weder sich selbst noch sein Publikum und die Gesellschaft. Ob er also ein Misanthrop ist, lässt sich gleichwohl kaum sagen. Auf die Frage: "Wie bleibt man, wenn man so genau beobachtet, ein Menschenfreund?", antwortet er: "Es ist doch schon eine Kunst, Menschenfreund zu bleiben, wenn man sich selber zuschaut. Da weiß man ja am besten, warum man kein Menschenfreund sein sollte."

Sicher ist ist: Es liegt ihm nichts daran, Meinungen zu propagieren, Überzeugungen an den Mann zu bringen oder gar dem Publikum politisch nach dem Mund zu reden. Ihm geht es eher darum, den komplexen, nicht auf einen Nenner zu bringenden, widersprüchlichen Charakter der Welt, der Gesellschaft, des Menschen zur Sprache, zur Darstellung zur bringen. Hader selbst sagt: "Ich hätt' gern, dass die Leut' nicht mehr wissen, wenn sie aus meinem Programm rausgehen, sondern weniger. Ich bin besser im Zweifeln."

Link: www.hader.com


Preise (Auswahl)

Kabarett und Theater

Salzburger Stier für "Der Witzableiter und das Feuer" (1985)

Förderpreis des Österreichischen Kleinkunstpreises (1986)

Deutscher Kleinkunstpreis für "Indien", zusammen mit Alfred Dorfer (1991)

Österreichischer Kleinkunstpreis für "Indien", zus. mit Alfred Dorfer (1992)

Förderpreis zur Kainz-Medaille der Stadt Wien für "Im Keller" (1993)

Deutscher Kabarettpreis (1994)

Nestroy-Ring der Stadt Wien (2000)

Berlin-Preis auf dem Großen Kleinkunstfestival der Berliner "Wühlmäuse" (2010)

Film und Fernsehen:

Thomas-Pluch-Drehbuchpreis für "Indien", zus. mit Alfred Dorfer (1993)

Spezialpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste bei den Baden-Badener Tagen des Fernsehspiels für "Capuccino Melange" (1993)

Bronzener Leopard beim Filmfestival in Locarno für "Der Überfall", zus. mit Joachim Bißmeier und Roland Düringer (2000)

Goldene Romy für "Komm, süßer Tod", zus. mit Wolfgang Murnberger und Wolf Haas (2000; Haderer nahm den Preis nicht an)

Großer Diagonale-Schauspielpreis für "Der Knochenmann" (2009)

Deutscher Fernsehpreis für "Ein halbes Leben" (2009)

Goldene Romy für "Der Knochenmann", zus. mit Wolfgang Murnberger und Wolf Haas (2010; Haderer nahm den Preis abermals nicht an)

Adolf-Grimme-Preis für "Ein halbes Leben" (2010)

Bayerischer Kabarettpreis (2011)

Summa summarum

Göttinger Elch für das Gesamtwerk (2011)